Er fiel durch Zeit & Raum. Durch Farben & Phantasien. Er fiel durch Ereignisse & Bilder. Visionen erschienen ihm an jenem Abend. König Philipp, überwältigt von den Ereignissen, verstand nicht, was geschah. In Gedanken stellte er sich tausend Fragen, auf die es keine Antwort gab. Wo war er und was geschah hier? Er fand sich auf seinen Knien wieder, nicht aber am Ort seiner letzten Erinnerung. Alles war anders als vorher im Palast, nur der Regen auf seinen Schultern und der krachende Donner des Gewitters erinnerten ihn an die Geschehnisse. Zusätzlich ein nasses Feld, ein schlammiger Untergrund, in dem seine Knie versanken. Er wischte sich seine nassen Haare aus dem Gesicht und erblickte ein riesiges Tor. So hoch, dass ihn die Regentropfen beim Hinaufschauen daran hinderten, über das Tor hinaus zu schauen und zu ermessen, wie gigantisch dieses war. Er brauchte seine ganze Kraft, um aufzustehen und ein paar Schritte zu gehen. Je näher er dem Tor
kam, desto klarer hörte er das Lachen eines kleinen Kindes. Vor lauter Freude, es könnte sich um sein Neugeborenes handeln, bewegte er sich immer schneller dem Lachen entgegen. Plötzlich, aus dem Nichts, erstrahlte der Himmel in einem gleißenden Licht. Erst sehr hell und dann versank alles in finsterer Dunkelheit. Es war unvorstellbar, was er dort sah. Aus den Augenwinkeln erblickte er eine Ruine und total verschwommen ein kleines Kind, welches durch das Tor in Richtung der Ruinen rannte. Jeder Versuch eines Rufes war vergeblich. Er spürte ein mulmiges Gefühl in sich aufsteigen. Es war die Sorge, vor dem was geschah, und in welch einer Gefahr sich das kleine Kind befand. Noch bevor er erneut all seine Kraft sammeln konnte, um nochmals zu rufen, erblickte er eine Gestalt auf der Höhe einer der Mauern. Er sah einen alten Mann und dessen Blicke schienen ihn mit seinem Zorn zu durchbohren. König Philipp ahnte bereits, wer dieser Mann dort war. Sein eigener Vater hatte ihm bereits als Kind von seinen Visionen erzählt, die er nie hatte zuordnen können. Noch bis zu seinem Tode sprach sein Vater oft davon. Niemand hatte jemals verstanden, was König Philipp der Erste damit gemeint hatte und viele hielten ihn deshalb für verrückt. Doch eines erwies sich jetzt als sicher: Sein Vater, Philipp der Erste, war keineswegs verrückt gewesen - oder wurde er nun selbst wahnsinnig? „Nein, das kann nicht sein!“, dachte er sich. Sein Vater hatte immer die Gestalt eines alten Mannes mit lockigem Haar und zornigem Gesicht erwähnt. Ein Mann, der Unwetter herauf beschwor, um seine Macht zu präsentieren.
„Wer bist du nur?“ – fragte Philipp sich. „Ich bin Zeus!“ - donnerte der alte Mann ihm entgegen. Vor lauter Schreck fiel König Philipp auf die Knie und erwachte total verschwitzt und aufgewühlt auf dem Boden seines Palastes vor dem Geburtszimmer seines Sohnes Alexander. Kein Zweifel, dieses Kind war besonders, aber was sollten diese Visionen bedeuten?